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Es gibt Reis, Baby!

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Zukunft Hafen – Rickmers Reismühle: Ein Traditionsbetrieb liefert mehr als eine Beilage aus der Überseestadt in die ganze Welt.


Ob weiß, braun oder rot, rund oder wild – wir alle hatten ihn bestimmt schon auf dem Teller: Reis aus der Überseestadt. Und zwar von Rickmers. Mehr als 20.000 Tonnen jährlich verarbeitet die Mühle in Bremen und ist trotzdem in der Hansestadt wenig bekannt. Ein Besuch des Unternehmens in der Überseestadt gewährt spannende Einblicke rund um das kleine Korn und seine unzähligen Möglichkeiten.


Die Lage ist fantastisch: 32.000 Quadratmeter direkt an der Wasserlinie mit freiem Blick auf die Weser und das gegenüberliegende Ufer. An der Stephanikirchenweide siedelte sich bereits Mitte des 19. Jahrhunderts erste Industrie an. Der Zweite Weltkrieg zerstörte große Teile des alten Hafengebietes, vieles wurde wieder aufgebaut. 

Hier sitzt das Unternehmen in einem zweigeschossigen Gebäude in der Überseestadt, vis-à-vis zur Reismühle, auf Höhe von Woltmershausen und sieht Tag für Tag Schiffe an sich vorbeiziehen. Schaut man sich die Entstehungsgeschichte von Rickmers Reismühle an, passt das bestens zusammen. 


Norddeutscher Unternehmergeist

Ein Blick zurück: Der findige Reeder und Werftgründer Rickmer Clasen Rickmers, geboren 1807 auf Helgoland, lud zur Stabilisation seiner Schiffe auf den Rückfahrten von Ostasien säckeweise Reis als Frachtgut. Später wurde er Teilhaber einer Bremer Reisfirma, die ab 1878 unter dem Namen Rickmers firmierte und sich zum größten Reisverarbeitungsunternehmen der Welt entwickelte. 

Es folgte eine Unternehmensgeschichte mit wechselnden Beteiligungen, unter anderem als Teil des internationalen Kellogg-Konzerns. Seit 1988 liefert Rickmers Reismühle wieder unter dem alten Namen Reisprodukte an Groß- und Endverbraucher von der Bremer Überseestadt in alle Welt in Abpackgrößen von 250 Gramm bis 25 Kilogramm. 


Vom nützlichen Industrieprodukt bis zur wohlschmeckenden Delikatesse

Thomas Fitzke, seit bereits 15 Jahren bei der Rickmers Reismühle beschäftigt, ist fasziniert von der Produktvielfalt der Nutzpflanze Reis. „Aus botanischer Sicht ist Reis ein glutenfreies Getreide“, so der diplomierte Betriebswirt, „das macht ihn ernährungsphysiologisch zum Multitalent.“ Reis wird jedoch nicht nur als Ganzkornprodukt von Fertigmenüherstellern bevorzugt verarbeitet, zum Beispiel ganz klassisch im herzhaften Cevapcici – er wird auch mit unterschiedlichem Vermahlungsgrad für viele Verwendungszwecke mit speziellen Funktionalitäten eingesetzt. So findet sich Reismehl in vielen Panaden und verleiht damit Schnitzel oder Backkäse den letzten Pfiff durch seine ganz besondere Knusprigkeit. Überhaupt: Reis ist ein Tausendsassa, was sich im Supermarkt schnell beim Blick auf die Zutatenliste diverser Lebensmittel zeigt.

„Reis ist heute ein internationales Geschäft mit über 40.000 Reisvarietäten. Wir handeln nur mit Spitzenqualitäten, daher kaufen wir unseren Langkornreis in Uruguay, den italienischen Risottoreis ‚Aborio‘ aus der Po-Ebene, Basmati aus Indien und Wildreis aus dem Grenzgebiet der USA zu Kanada“, erläutert Fitzke. 

70 Mitarbeiter hat die Mühle heute, gearbeitet wird im Zwei-Schicht-System. Die Verarbeitung läuft weitgehend automatisch: Mittels Maschinen wird der Reis sortiert, gesäubert, poliert und gemahlen. 

Trotz perfektionierter Technik, die Endkontrolle wird immer noch per Hand durchgeführt und erst nach erfolgreicher Prüfung werden die Produkte freigegeben. Felix Carius, Leiter des Prüfwesens, behält von allen eingehenden Rohwarenlieferungen sowie allen Artikeln, die das Haus verlassen, ein Rückstellmuster zurück. Diese stapeln sich auf Metallregalen im speziell dafür klimatisierten Raum.  

Überall hängen farblich sortiert Besen und Schaufeln, falls mal etwas auf den Boden gelangt. Im Betrieb herrschen strenge Hygienerichtlinien: Ohne eine Desinfektion von Händen und Schuhen sowie dem im ganzen Betrieb obligatorischen Haarnetz gibt es keinen Zutritt.


1 Korn – 1.000 Möglichkeiten

Der Lebensmittelmarkt ist permanent in Bewegung und die Produktpalette wächst mit den Wünschen der Kunden. 

So gehören heute auch Convenience-Lösungen zum Produktportfolio und werden in ganz Europa bis in die USA vertrieben. Ob Langkorn mit Quinoa oder Vollkorn Reis mit grünen Linsen und Wildreis: Im riesigen Schnellkochtopf werden die Mischungen gekocht, sterilisiert, abgekühlt und danach vollautomatisch verpackt. 

Die Möglichkeiten des kompakten Kraftkorns scheinen längst nicht ausgeschöpft. Rickmers Reismühle ist mit seinen verschiedenen Geschäftsfeldern, mit Produkten für den Handel, für Großhändler und die Industrie bestens aufgestellt – auch wenn sie in Bremen nicht jeder kennt … 


Übrigens: Zusätzlich zu Kaffee und Bier scheint auch Reis eine wichtige Rolle in Bremen einzunehmen. Denn neben Rickmers Reismühle mit ihrer langen Tradition, bietet das vergleichsweise junge Unternehmen Reishunger verschiedenste Reissorten – vom bekannten Basmati bis zum exquisiten Sadri an. Firmensitz ist ebenfalls die Bremer Überseestadt. Wie es zur Geschäftsidee kam und ob die Deutschen ordentlich Reishunger haben, verrieten die Firmengründer 2013 dem Pressedienst aus dem Bundesland Bremen.


Informationen zur allgemeinen Entwicklung der Überseestadt und freien Bauflächen erhalten Sie bei Dagmar Nordhausen, Tel. +49 (0)421 9600 252, dagmar.nordhausen@wfb-bremen.de und Jons Abel, Tel. +49 (0)421 9600 613, jons.abel@wfb-bremen.de 


Autorin: Tine Klier